Aktuelle-Ausgabe

Eisenbahnunterfürung Lübecker Straße kreativ gestaltet
(04.10.2018)

Graffiti-Kunst verschönert Tunnel in der Paulsstadt

Am vergangenen Montag (1. Oktober) weihte der stellvertretende Oberbürgermeister Schwerins, Bernd Nottebaum, im Beisein zahlreicher Gäste und Medienvertreter sowie einiger Vertreter des Ortsbeirates Altstadt, feldstadt, Paulsstadt, Lewenberg das am Wochenende realisierte Graffiti-Projekt in der Fußgängerunterführung Lübecker Straße offiziell ein. Er verwies im Anblick der professionellen Arbeiten noch einmal rückblickend auf das bisherige Schmuddelimage des Tunnels und lobt die Initiative des Ortsbeirates ebenso wie die Projektrealisierung der Jugendlichen unter Begleitung des stadtbekannten Streetworkers Egbert Hesse („Eggi“).
„Es ist unser Ziel, endlich dem Negativimage dieser wichtigen Fußgängerverbindung zwischen Innenstadt und Paulsstadt gezielt entgegenzutreten“, so Stephan Haring, Vorsitzender Ortsbeirates in seiner kurzen Ansprache. „Aus diesem Grund standen für dieses wichtige Projekt 1.000 Euro unserer projektbezogenen BUGA-Überschüsse zur Verfügung, die für Farben und zusätzlich benötigte Materialien eingesetzt werden konnten. Bewusst haben wir uns dazu entschieden, Jugendliche unserer Stadt dort verschiedene Bilder im Graffiti-Stil sprayen zu lassen. Dass diese Entscheidung richtig war, sehen wir hier und heute. Wir bauen nun natürlich darauf, dass diejenigen, die wenig kreativ nur irgendwelche Schriftzüge an Wände malen, respektvoll mit der wirklichen Graffiti-Kunst umgehen.“
Während der Arbeiten wie auch während der offiziellen Einweihung kam es mehrfach zu verschiedensten, nur positiven Äußerungen vorbeigehender Passanten. Diese ausnahmslos positiven Reaktionen setzten sich schon unmittelbar nach der Einweihung auch in verschiedensten Beiträgen in den sozialen Medien fort.
Haring nutzte die Möglichkeit, um dem stellvertretenden Oberbürgermeister noch einige Wünsche mit auf den Weg zu geben. So wäre nun, da in den Treppenzugängen und vor allem im Tunnelbereich selbst so tolle Arbeiten zu sehen sind, eine malerseitige Aufarbeitung der Eingangsbereiche ebenso wichtig wie eine regelmäßigere Kontrolle und Reparatur der installierten Beleuchtungen. „Vielleicht lässt sich auch noch helleres Licht durch andere Leuchtmittel realisieren, um das teilweise noch vorhandene Unsicherheitsgefühl der Passanten weiter zu minimieren.“ Dass im Haushaltsplan 2019/20 Gelder zum Austausch der „gefühlt jeden zweiten Tag“ defekten Fahrstühle vorgesehen seien, begrüßte der Ortsbeiratsvorsitzende ausdrücklich.



Details zum Projekt


Die Passanten erwartet von nun an in der Fußgängerunterführung eine künstlerisch-kreative Symbiose aus großen, individuellen Schriftzügen und Objekten mit einer Verbindung zur Stadt oder Bahn. Gerade in städtischen Bereichen, die mittelbar oder unmittelbar mit Bahnverkehr in Verbindung stehen, sind große künstlerische Schriftzüge in der Graffiti-Szene typisch. Diese bekannte Verbindung übertrugen die jungen Künstler auf die Wände der Unterführung.
Entstanden ist auf diese Weise eine ganz individuelle und doch in die Graffiti-Bahn-Welt passende Street-Art. So stellen zwei große Schriftzüge stilisiert Züge der Deutschen Bahn dar, was manch Betrachter erst beim zweiten oder dritten Hinsehen an den spitz zulaufenden Enden oder durch das Andreaskreuz auffällt. Vielleicht braucht das Auge aber auch einen Augenblick länger, da nur wenige Meter entfernt der bekannte Doppelstock-Regionalzug in realistischer Darstellung so leicht zu erkennen ist.
Zu finden sind aber auf den Wänden auch bekannte bzw. gut denkbare Schweriner Szenerien: Segelboote auf dem See, der Dom oder auch der Fernsehturm. An anderer Stelle schaut eine Katze vor der Weststadt-Silhouette aus einem Loch inmitten einer frischgrünen Wiese, während an den Seiten beider Treppenbereiche minimalistische Architekturdarstellungen und Linien noch zurückhaltend den Weg zu den großen Objekten der wie eine „Street-Art-Galerie“ anmutenden kreativen Tunnelmeter öffnen.
Wenngleich auch kurzfristig noch einige Planungen geändert werden mussten, so ist es den jungen Künstlern absolut gelungen, eine zu einer Bahn-Unterführung passende und doch ganz eigene Bildsprache zu finden. Nachdem andernorts verschiedene ebenso künstlerisch hochwertige, realitätsnahe, fast fotorealistisch wirkende Graffitis in der Vergangenheit die Akzeptanz der Kunstform Graffiti auch in Schwerin deutlich gesteigert haben, kommen nun in diesem Tunnel die szenetypischen, professionellen großen Schriftzüge hinzu – teilweise als gezielt stilisierte Darstellungsform, teilweise auch bewusst für sich stehend.
Damit ist es diesem Projekt durchaus gelungen, eine tatsächliche „Street-Art-Galery“ entstehen zu lassen, die eben nicht primär auf fotoähnliche Darstellungen sondern die gekonnte Symbiose aus Bildern, stilisierter Schriftsprache und reinen Buchstabenobjekten setzt. Graffiti-Kunst in professioneller Reinkultur, und somit ein echter Gewinn für die Landeshauptstadt.



Hintergrund



Wiederholt hat die Fußgängerunterführung in der Vergangenheit Negativschlagzeilen gemacht. Immer wieder verunstalteten illegale Graffiti-Schriftzüge die Wände, gefühlt an mehr als der Hälfte des Jahres war mindestens einer der Fahrstühle defekt, der Geruch ist nicht selten unangenehm und nahezu konstant herrscht mit Einbruch der Dunkelheit bei vielen Passanten ein zumindest beklemmendes Gefühl.
Natürlich verbindet der Ortsbeirat mit diesem wichtigen ersten Schritt die große Hoffnung, dass auch von Seiten der Stadt und der zuständigen kommunalen Betriebe die Unterführung schrittweise weiter positiv entwickelt wird. „Neue Fahrstühle, bei die natürlich behindertengerecht sein müssen und vor allem eine stets ausreichend helle Beleuchtung wären erste, wichtige Schritte. Die Menschen müssen wissen und spüren, dass sie auch bei eingeschränkter Mobilität jederzeit den Tunnel nutzen können und niemand hier ein mulmiges oder gar ein Unsicherheitsgefühl haben muss.

BU: Mit den schönen Graffitis soll das Negativimage der wichtigen Fußgängerverbindung bekämpft werden. Fotos: Ortsbeirat Altstadt, Feldstadt, Paulsstadt, Lewenberg

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