Neuschwanstein des Nordens: Das Schweriner Schloss

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Ob von der Wasserseite aus oder wenn der Besucher aus der Innenstadt kommend die Schlossstraße hinunter wandelt: Das Schweriner Schloss ist ein wahrer Hingucker und lässt sogleich Erinnerungen an Märchen wach werden. Seine Türme streben gen Himmel, die goldene Kuppel glitzert in der Sonne. Die Schlossinsel und das Neorenaissance-Gebäude ziehen magisch an. Nicht umsonst nennen manche das schöne Schloss „Neuschwanstein des Nordens“.

Dabei gingen dem Schweriner Schloss sehr viel bescheidenere Bauten voraus. Schon im Mittelalter lässt sich eine Bebauung der Insel nachweisen. Im Winter 941/942 oder kurz danach wurde ein Burgwall errichtet – auf einem massiven Holzrost und etwa 45 Meter breit. Dieser hielt allerdings nicht lange stand. Schon rund 20 Jahre später war er marode, sodass der gesamte Wall nach innen umkippte und ein Neubau erforderlich war. Um etwa 973 war es dann soweit. Ein reisender Kaufmann aus dem arabischen Andalusien berichtet davon, dass ganz in Ufernähe eines Süßwassersees eine Burg gebaut würde. Woher der Name Schwerin kommt hp 20/2016. Es ist anzunehmen, dass er die heutige Grenzburg auf der Schlossinsel meinte. Was er beschreibt, wurde durch Ausgrabungen im Jahre 1987 untermauert. Hier fand man Teile des alten slawischen Burgwalls, 2014 kamen darüber hinaus im Innenhof des Schlosses Reste des ersten Burgbaus zutage. Die Hölzer wurden im Deutschen Archäologischen Institut untersucht, und tatsächlich: Sie konnten auf die Jahre 962 bis 974 datiert werden.

Im Jahre 1160 wurden die Obotriten in der Burg von Feudalherren Heinrichs des Löwen übermannt. Die Obotriten unter Wendenfürst Niklot zerstörten und verließen ihre eigene Burg. Die deutschen Eroberer ließen sich nicht abschrecken – vielmehr erkannten sie die gute strategische Lage auf der Insel und zogen ihrerseits eine neue Festung hoch. Im selben Jahr gründete sich die Stadt Schwerin.

Beinahe 200 Jahre später erkaufte sich Herzog Albrecht II, ein Nachfahr Niklots, die Grafschaft und verlegte seine Residenz von Wismar auf die heutige Schlossinsel.
Fortan wurde umgebaut. Dabei legten die Herzoge immer mehr Wert auf gehobene Wohnansprüche und weniger auf den Verteidigungsgedanken wie zuvor. Wer heute durch das Schweriner Schloss wandelt, erkennt das sogenannte Bischofshaus auf der Seeseite noch als Zeuge der Spätgotik.
Insbesondere Johann Albrecht I. intensivierte im 16. Jahrhundert die Bautätigkeit am Schloss. Nach und nach entwickelte es sich zu einer Residenz mit repräsentativem Charakter. Die Fassaden wurden mit Terrakottaplatten geschmückt – typisch für die mecklenburgische Renaissance. Im 17. Jahrhundert gab es ehrgeizige Pläne für das Schloss. Wären sie umgesetzt worden, hätte Schwerin mit einem der spektakulärsten deutschen Renaissanceschlösser seiner Zeit geglänzt. Allerdings machte der Dreißigjährige Krieg diesem Vorhaben einen Strich durch Rechnung.

In der darauffolgenden Zeit hielten sich die Umbauten am Schweriner Schloss in Grenzen. Die mecklenburgischen Stände verhinderten, dass die absolutistische Monarchie sich durchsetzte. Somit hatten die Herzöge im 18. Jahrhundert schlichtweg nicht die Möglichkeit, einen modernen Palastbau voranzutreiben. Die Zeiten waren ungünstig für die Landesherrn, sie verlegten den Hofstaat sogar 1763 nach Ludwigslust und bauten dort ein neues Schloss. Lediglich die Innenräume der Schweriner Residenz wurden verschönert.

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Die Schlossinsel und das Neorenaissance-Gebäude ziehen magisch an

Die grandiose Architekturkulisse des Schweriner Schlosses entstand schließlich Mitte des 19. Jahrhunderts

Großherzog Friedrich Franz II. packte es schließlich an. Zunächst hatte sein Vater den Hof wieder von Ludwigslust nach Schwerin zurückverlegt. Dann gab der junge Monarch – direkt nach seinem Regierungsantritt 1842 – radikale Umbaupläne in Auftrag. Hofarchitekt Georg Adolph Demmler legte Visionen vor, die Teile des bestehenden Renaissancebaus erhalten sollten, aber gleichzeitig den Ausbau zur monumentalen Residenz ankündigten. Gemeinsam mit Hofbaumeister Herrmann Willebrand, Gottfried Semper und Hofarchitekt Friedrich August Stüler entstand der Neubau, so wie ihn Schweriner und Besucher heute kennen. Die Bauzeit betrug 14 Jahre – von 1843 bis 1857. Friedrich August Stüler war es auch, der – nachdem Georg Adolf Demmler aus dem Staatsdienst entlassen wurde – einige plastische Elemente an der stadtseitigen Front ergänzte. Dazu gehört auch das große Reiterstandbild Niklots. Wo sich Demmler eine Laterne erdacht hatte, setzte Stüler eine monumentale Prunkkuppel.
Das Schloss wurde am 26. Mai 1857 festlich eingeweiht. Dazu komponierte Friedrich von Flotow eigens eine Oper: „Johann Albrecht“ nach einem Libretto von Eduard Hobein. Wer am Bau beteiligt war, erhielt im Rahmen des Festaktes eine Schlossmedaille.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es noch einmal dramatisch für das Schweriner Schloss. Ein Brand zerstörte etwa ein Drittel des Baus. Die Ursache ist bis heute ungeklärt. Am Burgseeflügel überlebten nur die Grundmauern, der Schlossgartenflügel verlor seine Obergeschosse. Der prunkvolle Goldene Saal sowie das reich gestaltete Haupttreppenhaus fielen den Flammen gänzlich zum Opfer. Letzteres wurde durch eine Rote Marmortreppe ersetzt. Weitere Wiederherstellungsarbeiten folgten, zunächst außen, dann innen. 1972 richtete man im Bereich des früheren Goldenen Saals einen neuen Festsaal ein.

Während das Schloss früher Herzöge beherbergte, wandelte sich seine Nutzung natürlich im Laufe der Zeit. 1919 ging das Schloss an den Staat über. Auch ein Rundfunkstudio und diverse Büros zogen später ein. In der Zeit des Nationalsozialismus beherbergte das Schloss einen Kindergarten der NS-Volkswohlfahrt, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges bezog ein Lazarett einige Räume. Nach dem Krieg besetzte die Sowjetische Militäradministration das Gebäude. Ohne einzelne Jahreszahlen zu nennen, tat sich in den darauffolgenden Jahren einiges: Ein Plenarsaal wurde im Burgseeflügel errichtet, eine Pädagogische Schule bildete Kindergärtnerinnen in den Räumlichkeiten des Schlosses aus, ein Museum für Ur- und Frühgeschichte fand seinen Platz, ein Polytechnisches Museum ebenfalls. Später folgte die Restaurierung einiger Räume, um sie als Kunstmuseum zu nutzen.
Auch die Wende brachte Veränderung und trieb die Schlosssanierung voran. 1989 schlossen sich 25 Unternehmen aus Kiel zusammen und gründeten einen Förderverein. Mit einer halben Million D-Mark unterstützten sie Sofortmaßnahmen, denn der historische Bau schien langsam Schaden zu nehmen.
Seit 1990 hat der Landtag seinen Sitz im Schweriner Schloss. Der Bau eines neuen Plenarsaals begann 2014 im Schlossgartenflügel und wurde 2017 abgeschlossen.

Wer das Schweriner Schloss heute von außen betrachtet oder besichtigt, fühlt sich hochherrschaftlich. Die Elemente der französischen Renaissance, gepaart mit lokaler Bautradition haben eine besondere Wirkung. Die Lage auf der Insel mit Seepanorama und der schöne Schlosspark tun ihr Übriges. Dieser wurde 2009 für die Bundesgartenschau weitgehend umgestaltet und restauriert und ist jederzeit zugänglich. Das Museum ist montags geschlossen, aber von Dienstag bis Sonntag geöffnet. Die Öffnungszeiten variieren nach Saison.
Wer sich im Inneren des Schlosses umsieht, der wandelt durch prachtvolle Wohn- und Festräume, entdeckt den Thronsaal und die Ahnengalerie. Auf drei Etagen erwarten den Besucher kostbare Gemälde, Skulpturen oder Kunsthandwerk – besonders aus Schwerins prächtigster Epoche, dem 19. Jahrhundert.

Das Schloss ist seit 2007 auf einer Sonderprägung der deutschen 2-Euro-Münze zu sehen. Und mehr noch: Der Landtag hat sich seit 2007 dafür eingesetzt, das Schweriner Schloss zum UNESCO-Weltkulturerbe zu machen. Fünf Jahre später wurde der Antrag gestellt. Heute ist das „Schweriner Residenzensemble – Kulturlandschaft des romantischen Historismus“ einer von neun Kandidaten für die UNESCO-Weltkulturerbeliste.

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Heute ist das Schweriner Schloss Sitz des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern, Fotos: maxpress