Aktuelle-Ausgabe

Wirtschaftliches Risiko zu hoch
(29.03.2018)

Großveranstaltungen in Schwerin stehen vor dem Aus

Schwerin • Kurz nach dem die Veranstalter Arno Teegen und Matthias Wölk im Januar wieder die positionierten Lastkraftwagen aus den Eingangsbereichen des beliebten Schweriner Weihnachtsmarktes fuhren, weil sie auf diese Weise unbürokratisch und kostengünstig eine beauflagte Sicherheitslücke schlossen, flatterte der Stadtverwaltung das Kündigungsschreiben für das alljährliche Altstadtfest ins Haus.

Das sollte wieder am zweiten Wochenende im September stattfinden und gehört zum größten Open-Air-Fest der Landeshauptstadt. Jährlich drängeln sich über mehrere Tage knapp 100.000 Menschen durch die Feststraßen und sorgen für gute Umsätze an Buden, in lokalen Geschäften und gastronomischen Einrichtungen. Grund für die Kündigung: Enorme Gebühren für die GEMA, gestiegene Sicherheitsauflagen und umfangreiche Rettungskonzepte würden das traditionelle Fest in der Altstadt unwirtschaftlich machen.

Ein Fall, der nicht nur in Schwerin Wirklichkeit wird. Deutschlandweit ziehen immer mehr Großveranstalter die Reißleine und kündigen ihre Verträge, weil die Auflagen vom Bund, Land und Stadt zu enormen Mehrausgaben führen. Da die Kommunen die Kosten nicht übernehmen können oder wollen, werden diese auf die Veranstalter abgewälzt.

Zwar ist sich die Politik in Schwerin einig, dass Veranstaltungen wie das Altstadtfest bleiben müssen, doch Lösungen präsentieren sie bislang nicht. Es wird also ein Spiel auf Zeit, denn wenn die Beauflagung weiterhin so durchgesetzt wird, könnte es auch den Weihnachtsmarkt oder das Drachenbootfestival betreffen. Schon jetzt warnen die hiesigen Organisatoren vor diesem Szenario. Die Politik fordert von Verwaltung und Stadtmarketing-Gesellschaft ein Umdenken. Für das Altstadtfest soll für 2018 eine Übergangslösung entwickelt werden, um dann ein langfristiges Konzept aufzusetzen. Was fehlt, sind die begeisterten Veranstalter. Bislang haben regionalen Dienstleister nach Anfrage nur müde abgewunken. Sie wollen das wirtschaftliche Risiko nicht alleine tragen.

Zu hohe Auflagen, die der Veranstalter wirtschaftlich tragen muss, könntne auch für das Drachenbootfestival im August zum Problem werden
Zu hohe Auflagen, die der Veranstalter wirtschaftlich tragen muss, könntne auch für das Drachenbootfestival im August zum Problem werden. Foto: maxpress

Die Kosten für Veranstaltungen explodieren – wie geht Schwerin damit um?

Sebastian Ehlers: Fraktionsvorsitzender CDU
Wir wollen weiterhin erfolgreiche Großveranstaltungen in Schwerin durchführen. Viele Veranstalter stehen vor Herausforderungen, die sich nicht alle politisch lösen lassen. Für das Altstadtfest hat die Stadt-
vertretung auf Antrag der CDU-Fraktion beschlossen, dass der Oberbürgermeister alle relevanten Akteure an einen Tisch holt und ein neues Konzept erarbeitet. Über eine finanzielle Beteiligung der Stadt an den Kosten werden wir in den Haushaltsberatungen diskutieren.

Henning Foerster: Fraktionsvorsitzender DIE LINKE
Bislang gibt es leider keine einheitlichen, gesetzlichen Regelungen, was den Umgang mit entstehenden Sicherheitskosten bei öffentlichen Veranstaltungen, wie dem Altstadtfest, angeht. Als Landeshauptstadt sollten wir jedoch ein Interesse daran haben, auch künftig solche Veranstaltungen auszurichten. Daher müssen derartige Fragen aus unserer Sicht stets im Dialog zwischen Stadtverwaltung und Veranstalter erörtert und einer einvernehmlichen Lösung zugeführt werden.

Christian Masch: Fraktionsvorsitzender SPD
Großveranstaltungen, wie das Altstadtfest oder auch der Weihnachtsmarkt, bereichern Schwerin und sind ein wichtiger Bestandteil des Stadtlebens. Deshalb unterstützt die SPD-Stadtfraktion die Suche nach potentiellen Veranstaltern für das Altstadtfest und für das Public Viewing zur Fußball-Weltmeisterschaft. Den Veranstaltern müssen faire Konditionen angeboten werden. Das muss die Verwaltung mit möglichen Veranstaltern auf Augenhöhe detailliert besprechen.

Silvio Horn: Fraktionsvorsitzender Unabhängige Bürger
Der Veranstalter konnte einfach abspringen, weil es die Stadtmarketing GmbH versäumt hatte, einen Vertrag mit gegenseitigen Rechten und Pflichten abzuschließen. Das darf sich nicht wiederholen. Das Altstadtfest muss konzeptionell überarbeitet und dann ausgeschrieben werden. Grundsätzlich ist es Angelegenheit des Veranstalters, für die Sicherheit des Veranstaltungsraumes zu sorgen. Gleichwohl können sich Stadt und Polizei nicht gänzlich zurückziehen.

Cornelia Nagel: Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/DIE GRÜNEN
Das Altstadtfest ist für viele Schweriner und Gäste eine beliebte Veranstaltung. Jedoch litt die Attraktivität in den letzten Jahren durch mangelnde Vielfalt, Lärmbelästigung sowie eine katastrophale Müllbilanz. Die beschlossene konzeptionelle Neuausrichtung in Verbindung mit einer kritischen Kostenbetrachtung, sehen wir daher als Chance für die Stadt und den zukünftigen Betreiber, ein zeitgemäßes und abwechslungsreiches Fest für alle Besucher zu veranstalten.

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